Beschreibung

Eine krisenfreie Expedition in die Vielseitigkeit von Bibliotheken

Peter kommt nach langer Zeit mal wieder in die Bibliothek… und ist schnell von ihren Möglichkeiten überwältigt. Die digitalen und realen Medien verbinden sich mit dem Raum und den Menschen. Zusammen mit dem Musiker Paul bricht Peter zu einer Entdeckungsreise mit Umwegen auf. Zusammen mit den Zuschauenden erschließen die beiden den Kulturraum Bücherei. Dabei werden die Inhalte von Büchern und anderen Medien lebendig: Filmszenen, Musik, Tiere, Erinnerungen und Träume erobern den Raum. Was ist hier alles denn noch möglich?

Die Bibliothek ist längst nicht mehr nur ein Ort für Bücher. Sie ist ein vielseitiger Lebensraum, den die vielfältige Kultur ihrer Nutzer mitgestaltet. Wir erforschen mit Spiel und Musik die wundervolle Welt der Zentralbibliothek Hamm und suchen gemeinsam nach neuen Nutzungsmöglichkeiten. Unter Corona-Bedingungen? Ja – jetzt erst recht!

„Von der Vielfalt der Welt und der Bücher, über die modernen Audio-Angebote bis zur Kinder-Leseecke wurden die Besucher auf eine ganz besondere Erkenntnis-Reise mitgenommen: Matthias Damberg als Figur „Peter“ und Roman D. Metzner als Gegenpart „Paul“ brachten nicht nur die Vielfalt der Zentralbibliothek ins Bewusstsein. Sie diente ihnen nur als Ausgangspunkt zu immer neuen Reisen, die anregten, der eigenen Fantasie Flügel wachsen zu lassen. Die Kinder-Leseecke diente am Schluss zum Eintauchen in die eigene Kindheit, einer Reflektion der Werte der Erwachsenen-Welt, sowie der Erkenntnis, dass digitale Verfügbarkeit niemals den Wert solch einer Einrichtung überflüssig mache.“
(Westfälische Allgemeine, 24. Oktober 2020)

Es spielen: Matthias Damberg & Roman D. Metzner
Konzept & Inszenierung: Erpho Bell

Produktion zum 125-jährigen Jubiläum der Stadtbüchereien Hamm

Konzepttext

Die Corona-Krise greift tief in unseren Alltag ein. Besonders die kulturellen Angebote wurden frühzeitig sehr umfangreich reduziert. Dabei ist Kultur entscheidend für unser Wohlbefinden. Der Kulturraum Bibliothek wurde über einen langen Zeitraum wieder zur Servicestelle für Medienverwahrung und - ausleihe reduziert. Dabei ist die kulturelle Identität der Stadtbücherei Hamm viel, viel mehr… sie ist ein Ermöglichungsraum geworden. Und dieser Wandel wurde als Reaktion auf das sich ändernde Nutzungsverhalten und den digitalen Wandel unserer Gesellschaft begonnen. Bibliotheken haben sich schon immer wandeln müssen. Und dieser Wandel muss von Menschen für Menschen gestaltet werden. Das klassische Buch ist nur noch ein Medium in der Angebotspalette. Gleichzeitig ist der Bibliotheksraum selbst Begegnungs- und Arbeitsraum für die Nutzer*innen geworden und soll es weiter werden. Und genau in diesen Kulturwandel hat das Corona-Virus eingegriffen - damit ins Herz dieser Kulturinstitution getroffen. Angebot werden pragmatisiert und limitiert. Die direkte Begegnung in der Bibliothek vermieden. Die Möglichkeiten zum Austausch schwinden, ebenso der Freiraum für Inspiration. Die Einschränkungen im Umgang miteinander verändern grundlegend unsere Kultur. Neue Grenzen sind entstanden, doch wie werden sie wieder aufgehoben? Wer macht die nächsten Schritte? Wir – gemeinsam mit Ihnen!

Die digitalen und realen Medien gestalten zusammen mit dem Ort der Stadtbücherei einen ganz besonderen Kulturwandel – und sind ein gutes Experimentierfeld für das kulturelle Miteinander mit und nach Corona. Die Nutzung selbst muss jetzt ständig neu definiert, Freiheiten müssen zurückerobert werden – eine Expedition aufeinander zu. Es geht um die Funktion, öffentliche Räume als Begegnungsorte und ihre Bedeutung für die Wiederentdeckung sozialer Kontakte und Beziehungen zu nutzen. Gleichzeitig verhandeln wir ganz nebenbei auch unser Verständnis von kultureller Teilhabe im 21. Jahrhundert. Denn dieser Wandel muss auch die Klimabedingungen mit berücksichtigen – wie nutzen wir die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen nachhaltig richtig? Bibliotheken stehen nicht nur vor der Aufgabe, als öffentliche Orte nachhaltige Funktions- und Betriebsformen zu entwickeln, sondern insbesondere auch Informationen und Kompetenzen zur Stärkung entsprechender gesellschaftlicher Entwicklungen zu vermitteln. Dieser Wandel ist in vollem Gange und entscheidet letztendlich auch über die Zukunft unserer Kulturinstitutionen.

Diese Veränderungen sind Thema und roter Faden für die Performance „Nutz mich – jetzt erst recht!“, in der der Bibliothekswandler Peter Mustermann unter Begleitung des Klangforschers Paul Wunderlich zu einer Entdeckungsreise mit Umwegen einlädt. Thema ist die Zentralbibliothek Hamm; besser: Die Medien, der Raum und das Miteinander. Zusammen mit den Zuschauenden erschließt der Bibliothekswandler die Inhalte der Medien und den Kulturraum Bücherei. Der Klangforscher dringt mit seiner Suche nach Kängen und seinen eigenen Klangformen mehr und mehr in den Bibliotheksraum vor und erschließt ihn so auf seine Art neu. So werden die Nutzerbedürfnisse und Nutzungsmöglichkeiten der Zentralbibliothek Hamm im Zusammenspiel zusammen mit den Zuschauenden entwickelt. Dabei werden die Inhalte von Büchern und anderen Medien lebendig; Filmszenen und Musik treten ebenso aus ihren Trägermedien, Möbel werden zu Klangkörpern, mathematische Formeln erzählen oder exotische Tiere erobern den Raum. So erleben und erforschen die Zuschauenden als Teil des Begegnungs- und Arbeitsraumes Bibliothek ihre Grenzen und Bedarfe. Was geht noch? Was sollte gehen? Im analogen Raum Bibliothek erleben wir so die Inspiration durch die Angebote anders und neu – ebenso wie die Interaktion mit unseren Mitmenschen.

Die Bedeutung digitaler Angebote ist angesichts der erlebten physischen Einschränkungen der letzten Monate klarer denn je zutage getreten. Sie ist als originärer Bestandteil einer Bibliothek spätestens jetzt nicht mehr wegzudenken und muss in ihr erlebbar werden. So stiftet der Bibliothekswandler zusammen mit dem Klangforscher neue Netzwerke, schafft ungewöhnliche Zugänge zwischen den Zuschauenden und macht Visionen in und nach der Corona-Krise lebendig. Gleichzeitig wandelt sich zusammen mit den Zuschauenden und ihrer Hilfe der Raum und die Handlung für diesen. So entsteht eine performative Utopie auf Basis des digital und analogen Denkens im 21. Jahrhundert – mit und nach Corona…

Daten

Kategorie

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Premiere

3. November 2020